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Forschung

Zwei sensationelle römische Funde aus Nideggen-Schmidt

 

Ein Forstwirt meldete im Jahre 2004 zwei weitere Funde von einem bereits seit 1999 bekannten Fundplatz einer römischen villa rustica in Schmidt. Der Fundort befindet sich auf einem Oberhang im Staatsforst Hürtgenwald und weist ein schwaches Gefälle auf.

 

Zügelring

Bei dem ersten Fund handelt es sich um eine fast vollständig erhaltene Kreuzblume mit Bügel, die aus Bronze gegossen und als Zügelring interpretiert wurde. Dieser Zügelring entspricht einem Typus, der z. B. bei einer villa rustica in Friedberg-Bauernheim im Wetteraukreis gefunden wurde.

 

Mühlenachse

Der zweite Fund ist eine sehr selten erhaltene eiserne Mühlenachse, die ursprünglich zwei Mühlsteine aus Basaltlava zusammenhielt, von denen bereits einige Fragmente im Jahre 1999 gefunden wurden. Die Mühlenachse besteht noch vollständig aus einem Mühleisen und einer Mühlenhaue (Mitnehmer) mit zwei Flügeln. Sie diente dazu, den oberen Mühlstein zu drehen und mittels des Lichtwerks je nach Bedarf geringfügig anzuheben, um einen feinen Spalt zwischen dem unteren und oberen Mühlstein herzustellen. Auf diese Weise konnte die Mahlfeinheit eingestellt werden.

 

Die Oberfläche der Flügel ist stark korrodiert. Die ehemals schwalbenschwanzförmige Form der einzelnen Flügel ist noch ansatzweise erkennbar. Diese Flügel lagerten ursprünglich in der entsprechend geformten Einarbeitung unterhalb des oberen Mühlsteins (Läufer). Durch diese Einlagerung ‚nimmt’ der entsprechend genannte Mitnehmer bei seiner Drehung den Läufer ‚mit’. Die erhaltene Gesamtlänge der Mühlenhaue beträgt 24 cm, die Flügel selbst sind im jetzigen Zustand bis zu 9 cm lang und 4-8 cm breit. In der Mitte des Mitnehmers befindet sich eine rechteckige Öffnung, in die das obere Ende des Mühleisens mündet.

 

Die nicht so stark korrodierte Oberfläche des 64 cm langen Mühleisens lässt fünf Abschnitte erkennen. Das untere Ende besitzt die Form eines Zapfens und hat einen fast kreisrunden und ansatzweise achteckigen Querschnitt.  Dieser Zapfen lagerte wohl ursprünglich in einer Pfanne. Im Abstand von 7 cm befindet sich ein kleines Durchsteckloch, das vermutlich der Sicherung eines Getrieberades diente. An diesem Loch beginnt ein Abschnitt mit quadratischem Querschnitt, an dem ursprünglich das Getrieberad befestigt wurde. Ab der Mitte des Mühleisens folgt ein längerer Abschnitt mit achteckigem Querschnitt, der die Drehbewegung auf das Mahlwerk übertrug. Der folgende kurze, aber dickere Abschnitt hat wieder einen kreisrunden Querschnitt. Dieser Teil der Achse führte ursprünglich durch die runde Öffnung des unteren Mühlsteins (Ständer). Der oberste Abschnitt des Mühleisens mit rechteckigem Querschnitt, der sich nach oben verjüngt, nimmt schließlich die Mühlenhaue auf. Der längere Überstand des oberen Abschnittes war für einen Dosierkegel bestimmt, der an dieser Fundstelle bislang nicht gefunden wurde.

 

Ein vergleichbarer Fund liegt bisher lediglich vom Kastellvicus Zugmantel im Taunus  aus dem Jahre 1912 vor, der nach Jacobi und Baatz auf Grund des Fundkontextes in die 2. Hälfte des 2. Jh. gehört. Diese Datierung trifft auch hier zu, da die bereits 1999 gefundene Keramik aus dem gleichen Kontext (v. a. durch das gleichzeitige Vorkommen der Typen Niederbieber 87 und 89) ebenfalls in die 2. Hälfte des 2. Jh. n. Chr. datiert werden konnte.

 

Die momentane Fundlage lässt eine genaue Rekonstruktion der zugehörigen Mühle noch nicht zu. Erst der Fund weiterer Mühlsteinfragmente und ihrer Abmessungen könnten Hinweise zum Umfang der Mahltätigkeit geben. Nach jetzigem Stand weist der Fund der eisernen Mühlenachse auf ein schnell laufendes Mahlwerk hin, das auf Grund der Beschaffenheit des Mühleisens auf die ursprüngliche Existenz eines Getrieberades schließen lässt. Solch ein Getrieberad ist bereits am Zugmantel gefunden worden. Ob es sich hier nach der Definition von D. Baatz um eine „Handmühle“ oder eine „Großmühle“ mit Göpelbetrieb handelt, kann bestenfalls anhand der Maße von dazugehörigen Mühlsteinen gedeutet werden. Mühlen des letzteren Typus kamen auf Grund von entsprechenden Mühlsteinfunden tatsächlich in der 2. Hälfte des 2. Jh. auf. Da es auf der Hochfläche kein fließendes Gewässer gibt, kann eine Wassermühle ausgeschlossen werden. Durch die Nähe der römischen Straße ist es jedoch denkbar, dass die Bewohner der villa rustica über ihren Eigenbedarf hinaus Getreide verarbeitet bzw. Backwaren hergestellt haben.

Der Fund des Zügelrings weist momentan nicht auf militärische Präsenz, sondern lässt im Fundkontext der Mühle eher auf Pferde- oder Eselhaltung im Rahmen der landwirtschaftlichen Tätigkeit der Bewohner schließen.

 

Verbleib:

Die Mühlenachse kommt nach erfolgter Restauration in die Dauerausstellung des Rheinischen Landesmuseums Bonn, der Zügelring verbleibt zunächst im Privatbesitz des Finders.

 

© Michaela Butler, 2007

 

LITERATUR:

H. Jacobi, Römische Getreidemühlen. In: Saalburg-Jahrb. 3, 1912 (Frankfurt 1914)

D. Baatz, Eiserne Dosierkegel. Ein Beitrag zur römischen Mühlentechnik. In: Saalburg-Jahrb. 47 (Mainz 1994)

D. Baatz, Die Wassermühle bei Vitruv X 5,2. In: Saalburg JB 48 (Mainz 1995)

F. Hörter, Getreidereiben und Mühlsteine aus der Eifel. Ein Beitrag zur Steinbruch- und Mühlengeschichte (Mayen 1994)

P. Wagner, Untersuchungen am Keller einer Villa rustica in Friedberg-Bauernheim, Wetteraukreis. Fundberichte aus Hessen 27/28, 1987/88 (1994)

M. Butler, Eine seltene Mühlenachse aus einer villa rustica in Schmidt. In: J. Kunow (Hrsg.), Archäologie im Rheinland 2004, Stuttgart 2005, 120 f.

Abbildung links: Zügelring aus Bronze (Foto P. Tutlies, LVR)

Abbildung Mitte: Eiserne Mühlen achse (Foto P. Tutlies, LVR)

Abbildung rechts: Rekonstruktion einer Getriebemühle (aus: D. Baatz 1994, Abb. 4, S. 21, umgezeichnet nach H. Jacobi, Saalburg-Jahrb. 3, 1912, Taf. 17,1)

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